Prof. Dr. med. Adam Czaplinski über Ausbildung, Netzwerkmedizin und das, was die Schweizer Neurologie wirklich braucht.
Bellevue Medical Group wächst. Kritiker sagen, BMG kaufe die Schweizer Neurologie auf. Wie siehst du das?
«Ich höre dies auch immer wieder – und ich verstehe, woher es kommt. Aber die Realität sieht anders aus. Die meisten wissen es nicht, aber wir wurden für fast alle Zentren, die heute Teil von BMG sind, angefragt. Von Ärzten ohne Nachfolge, von Institutionen mit Versorgungslücken. Nicht umgekehrt. Wir kaufen also nicht, wir übernehmen. Verantwortung, wo sie gefragt ist. Das ist der Unterschied, der zählt.»
Was war der Moment, der dich zur Neurologie gebracht hat und der dich bis heute dort hält?
«Neurologie ist das einzige Fach, in dem man wirklich verstehen muss, wer der Mensch vor einem ist. Bevor man überhaupt anfängt zu behandeln. Das Gehirn ist nicht abstrakt. Es ist Persönlichkeit, Erinnerung, Sprache, Antrieb, Bewegung. Wenn als etwas daran nicht stimmt, verändert sich ein Mensch in seinem Kern. Das fasziniert mich bis heute. Jede Diagnose, die wir stellen, jeder Assistenzarzt, dem wir das beibringen, dafür stehe ich morgens auf.»
Warum liegt dir die Ausbildung so persönlich am Herzen?
«Weil hochspezialisierte Medizin nur so gut ist wie die nächste Generation von Ärzten. Wir haben Kaderärzte, die an führenden Universitätskliniken in der Schweiz, USA und Deutschland ausgebildet wurden. Dieses Wissen hat einen Wert, aber nur, wenn es weitergegeben wird. Im Verbund mit der Klinik für Neurologie Hirslanden haben wir ein höchst innovatives Rotationsmodell aufgebaut. 15 Assistenzärzte pro Jahr durchlaufen zunächst die Klinik mit universitärem Niveau und 24/7 Notfallbetrieb, dann die Spezialsprechstunden und schliesslich praxisnah unsere Neurozentren, mit echter neurologischer Breite. Dass sie bei den Fachprüfungen sehr gut abschneiden, freut uns. Aber es überrascht uns nicht. Seit diesem Jahr bilden wir übrigens auch als anerkannter Lehrbetrieb im Kanton Zürich Medizinische Praxisassistentinnen aus. Das gehört für uns dazu. Und es ist der einzige Weg, wie gute Versorgung langfristig funktioniert.»
Was braucht die Schweizer Neurologie in den nächsten 10 Jahren?
«Mut zur Spezialisierung bei gleichzeitiger Vernetzung. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Schlafmedizin, Schlaganfall-Neurologie, Neuroimmunologie, Demenzdiagnostik oder Migräne-Behandlung, das sind keine Inseln. Nimm beispielsweise Schlaf. Wer einen Patienten mit Demenzrisiko behandelt, ohne seinen Schlaf zu kennen, hat ein entscheidendes Puzzle-Stück nicht. Bei BMG haben wir Schlafmedizin und neurologische Diagnostik in unserem Netzwerk vereint. Das ist kein Zufall. Das ist Konzept. Und wer Fachbereiche wirklich verbindet, wer aufgehört hat, in Silos zu denken, der hat die besseren Antworten für den Patienten. Der behandelt anders. Besser.»
Menschen machen den Unterschied. In der Medizin mehr als anderswo.
Und genau deshalb starten wir etwas Neues. «So ticken wir. Menschen bei BMG.» Eine Interview-Reihe mit den Menschen, die BMG ausmachen. Wöchentlich ein kurzes Portrait, monatlich ein ausführliches Gespräch. Ärzte, Forschende, Koordinatorinnen, das Team dahinter. Ungeschönt, direkt, persönlich.
Wir freuen uns auf das, was kommt. Ihr hoffentlich auch.
Den Auftakt mit Prof. Dr. med. Adam Czaplinski, Chefarzt Neurologie und Gründer der Bellevue Medical Group, im Gespräch mit Nicole Dietrich, Chief Communications & Market Development Officer der Bellevue Medical Group.