Matthias Adler über Neuropsychologie, Gedächtnis, Resilienz und die Kunst, Menschen ganzheitlich zu betrachten.
Matthias Adler ist Chefpsychologe, Leiter des Zentrums für Neuropsychologie und Co-Leiter des ADHS-Ambulatoriums. Im Gespräch erzählt er, weshalb ihn die Schnittstelle zwischen Psychologie und Neurologie fasziniert, wann Vergesslichkeit genauer angeschaut werden sollte und warum Kaffee im Idealfall intravenös verabreicht würde.
Was fasziniert Dich an Deinem Beruf bis heute am meisten?
Mich fasziniert bis heute, dass die Neuropsychologie an der Schnittstelle von Psychologie, Neurologie und Psychiatrie arbeitet. Kaum ein anderes Fach verbindet moderne Hirnforschung so direkt mit dem Alltag von Menschen. Besonders spannend finde ich, dass wir durch unsere Untersuchungen oft entscheidende Hinweise liefern können, die den weiteren Behandlungsweg prägen.
Wann sollte man Vergesslichkeit genauer abklären lassen?
Nicht jede Vergesslichkeit ist krankhaft. Jeder vergisst einmal einen Namen oder verlegt den Haustürschlüssel. Wenn solche Schwierigkeiten jedoch häufiger auftreten, den Alltag beeinträchtigen oder auch Angehörigen auffallen, lohnt sich eine Abklärung. Denn hinter solchen Beschwerden können ganz unterschiedliche Ursachen stecken. Eine frühzeitige Abklärung hilft, die richtige Diagnose zu stellen und gegebenenfalls die passende Behandlung einzuleiten.
Was hast Du durch Deine Arbeit über Menschen gelernt?
Meine Arbeit hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Herausforderungen, Krankheiten und Schicksalsschlägen umgehen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass hinter jeder Diagnose und jedem Testergebnis ein Mensch mit einer ganz eigenen Lebensgeschichte steht. Besonders beeindruckt mich immer wieder, wie anpassungsfähig Menschen sind. Selbst in schwierigen Lebenssituationen entwickeln viele eine erstaunliche Stärke und finden Wege, mit Veränderungen umzugehen. Deshalb versuche ich, nicht nur die Defizite zu sehen, sondern immer auch die Stärken und Ressourcen eines Menschen.
Was machst Du persönlich, um Dein Gehirn fit zu halten?
Ich halte es mit dem Grundsatz: Was gut für den Körper ist, ist meist auch gut für das Gehirn. Deshalb treibe ich regelmässig Sport, lerne gerne neue Sprachen, reise viel und verbringe Zeit mit Freunden und Familie. Das Gehirn liebt Abwechslung, neue Erfahrungen und soziale Kontakte – und genau das versuche ich ihm möglichst oft zu bieten. Als Neuropsychologe predige ich das nicht nur meinen Patienten, sondern versuche es auch selbst umzusetzen.
Kaffee oder Tee?
– Kaffee – am liebsten literweise und idealerweise intravernös
Berge oder Meer?
– Definiti Meer! Das Rauschen der Wellen schlägt jede Entspannungs-App.
Frühaufsteher oder Nachtmensch?
– Frühaufsteher, zumindest nach dem ersten Kaffee.
Buch oder Podcast?
– Podcast, Lesen ist schön, aber Zuhören funkioniert auch beim Sport.
Planun oder Spontanität?
– Planun, zumindest bei den wichtigen Dingen. Den Rest überlasse ich gerne dem Leben